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Die Emissionen grüner Anleihen werden aufgrund von Covid-19 zunehmen, da sich der Wandel hin zu Nachhaltigkeit beschleunigt

Donnerstag, 09/17/2020

Die Covid-19-Katastrophe ist eine Chance, wenn sie als Weckruf begriffen wird. Denn sie gibt einen Eindruck von den verheerenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Klimawandels und zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn nicht zügig gegengesteuert wird. Als verantwortungsvolle Anleger sollten wir mit unseren Engagements noch stärker auf einen positiven Wandel hinwirken. Es ist Zeit, zu handeln.

Donnerstag 17/09/2020 - 05:26
Sacha Bernasconi Portfolio Manager

Der Klimawandel wird, wie das Coronavirus, massive Schäden verursachen. Bereits im Jahr 2006 ging der Stern-Report von Kosten in Höhe von 5 % des BIP pro Jahr (ab 2006) infolge des Klimawandels aus. In einer neueren Umfrage unter Wirtschaftswissenschaftlern von 2017 wurde ein negativer Effekt des Klimawandels auf das globale BIP in Höhe von 2 % bis 10 % prognostiziert, und die US-Regierung rechnete mit einem Rückgang von bis zu 10 % des BIP.

Das kann sich die Welt nicht leisten. Dies würde die Weltwirtschaft in eine Finanzkrise griechischen Ausmasses stürzen, und zwar für die nächsten 30 Jahre. Es muss gehandelt werden, und ein Instrument, das beim Übergang zu einer nachhaltigen Zukunft helfen kann, sind grüne Anleihen (Green Bonds).  

Zwar ist der Anteil grüner Anleihen am globalen Anleihenmarkt noch immer äusserst gering, vor dem Hintergrund der Covid-19-Krise ist jedoch mit einem starken Emissionswachstum zu rechnen. Im Jahr 2019 wurde bereits ein Rekord-Emissionsvolumen verzeichnet, und auch im 1. Quartal 2020 wurde ein hoher Wert erreicht.

Lass niemals eine Krise ungenutzt

Zwar hat der Covid-19-Lockdown die Emissionen möglicherweise kurzfristig gebremst, die Marktdynamik könnte sich nach der Krise jedoch als noch stärker erweisen.

Das Coronavirus hat Themen wie Klimawandel und Umweltverschmutzung durch Plastik stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Diese Probleme sind gewaltig und erfordern innovative Lösungen. Damit diese Projekte finanziert werden können, bedarf es der Unterstützung verantwortungsbewusster Investoren. Darüber hinaus werden grüne Initiativen und regulatorische Fördermassnahmen die Emissionstätigkeit weiterhin vorantreiben.

Mit grünen Anleihen lässt sich sicherstellen, dass die Emittenten in Projekte investieren, die nachhaltig sind. Ausserdem weisen grüne Anleihen einige besondere Merkmale auf. Der Markt ist ohne regulatorischen Druck, aus einer inneren Überzeugung der Emittenten entstanden. Das Emissionsvolumen grüner Anleihen ist seither stark gestiegen. Sie machen inzwischen bis zu 4 % der jährlich ausgegebenen Anleihen aus und erreichen ein Volumen von fast USD 300 Mrd. pro Jahr. 

Die mit den grünen Anleihen erzielte Wirkung ist messbar und transparent. Denn die Emittenten müssen jährlich über die Auswirkungen der grünen Anleihen Bericht erstatten.

Green Bonds als globales Phänomen

In den USA werden nach wie vor die meisten grünen Anleihen emittiert. Mit Anleihen im Wert von USD 51 Mrd. belief sich der Anteil des Landes 2019 auf 20 % des globalen Emissionsvolumens. China und Frankreich sind mit einem Anteil von jeweils 12 % weltweit die Nummer zwei und drei, wobei die Zahl der Emittenten weltweit um 46 % auf 506 gestiegen ist. 

Im Jahr 2019 emittierte die niederländische Regierung ihre erste grüne Anleihe und erlöste USD 6,7 Mrd. Inzwischen hat die Republik Chile eine grüne Anleihe in EUR und eine in USD im Gesamtwert von USD 2,4 Mrd. begeben. 2019 haben noch weitere acht Länder erstmals grüne Anleihen ausgegeben: Barbados, Ecuador, Griechenland, Kenia, Panama, Russland, Saudi-Arabien und die Ukraine. Weltweit haben nun 62 Länder grüne Anleihen emittiert.

Seit September dieses Jahres gehört auch Deutschland zu diesem Kreis. Für die erste grüne Bundesanleihe lagen Zeichnungsaufträge in Höhe von EUR 33 Mrd. vor, von denen die Deutsche Finanzagentur EUR 6,5 Mrd. zuteilte.

Aus der Bottom-up-Perspektive gibt es einige interessante Unternehmen, die seit 2019 auf dem Markt für grüne Anleihen aktiv sind. Zukunftsorientierte Unternehmen wie PepsiCo haben Praktiken eingeführt, die mit dem Pariser Abkommen im Einklang stehen, während auf nationaler Ebene in den USA aktuell eine andere Politik verfolgt wird.

Unternehmen stellen sich der Herausforderung

PepsiCo hat nach dem Nachhaltigkeitsbericht 2018 eine grüne Anleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren im Umfang von USD 1 Mrd. begeben. Der Bericht ist glaubwürdig und enthält viele praktische Beispiele dafür, wie PepsiCo zum Aufbau eines nachhaltigen Ernährungssystems beiträgt. Ein entscheidender Aspekt ist die Vereinbarkeit mit dem Ziel von Paris 2015, die Kohlenstoffemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. Unternehmen wie PepsiCo haben erkannt, dass sie es sich nicht leisten können, auf kurzfristige Gewinnmaximierung zu setzen, und sie eine langfristige Strategie verfolgen müssen. Deshalb haben sie sich dafür entschieden, ungeachtet politischer Interessen die langfristigen Herausforderungen anzugehen.

Die USA haben das Pariser Abkommen im April 2016 unterzeichnet, und obwohl der US-Präsident am 4. August 2017 den Austritt aus dem Abkommen ankündigte, ist ein solcher erst ab dem 4. November 2020 möglich. Also einen Tag nach den US-Wahlen. Bis dahin werden die USA weiterhin an Treffen zum Klimawandel teilnehmen und Massnahmen unterstützen, die auf eine Reduktion der Emissionen gerichtet sind.

2019 haben auch einige Unternehmen erstmals grüne Anleihen in Schweizer Franken begeben. Die Raiffeisen Genossenschaft, der grosse Hypothekenfinanzierer, emittierte ihre erste grüne Anleihe. Das Energieunternehmen BKW, das für die Stilllegung des 48 Jahre alten Kernkraftwerks Mühleberg im Jahr 2019 bekannt ist, platzierte eine grüne Anleihe, deren Erlöse verwendet werden sollen, um 75 % der Produktionskapazitäten zu erreichen, die noch für die Erreichung des Ziels fehlen, die Stromerzeugung bis 2023 komplett auf erneuerbare Energie umzustellen. Swiss Life hat 2019 drei grüne Anleihen ausgegeben. Das eingesammelte Kapital wird für Investitionen in umweltfreundliche Gebäude verwendet.

Wir erwarten, dass mehr Unternehmen Geld an den Märkten für Investment-Grade-Anleihen in den USA und Europa aufnehmen werden, um grüne und soziale Projekte zu finanzieren, da Covid-19 weiterhin die Aufmerksamkeit auf die möglichen Folgen des Klimawandels lenkt.

Selbst wenn man nicht an den Klimawandel glaubt, muss man wohl anerkennen, dass Nachhaltigkeit sinnvoll ist. Wir verfügen bereits über erschwingliche Technologien, mit denen Ozeane gereinigt und der Kunststoffverbrauch reduziert werden können. Deren Nutzung bietet erhebliches Potenzial für Wirtschaftswachstum. Es wäre fatal, zu versuchen, den Wandel hinauszuzögern. Grüne Anleihen sind ein wichtiges Instrument, um diesen Wandel zu erreichen.